Alex Feuerherdt (Köln): Die unheimliche Popularität der „Israelkritik“.

So., 17. März 2013, 17:00

38,4 Prozent der Deutschen vertreten einer Umfrage zufolge die Ansicht: „Bei der Politik, die Israel macht, kann ich gut verstehen, dass man etwas gegen Juden hat.“ 39,5 Prozent glauben: „Viele Juden versuchen, aus der Vergangenheit des Dritten Reiches heute ihren Vorteil zu ziehen.“ Und gar 57,3 Prozent meinen: „Israel führt einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser.“ Die populäre Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“ bezichtigt den jüdischen Staat wahrheitswidrig, den Palästinensern das Wasser zu stehlen und sie dadurch an den Rand des Verdurstens zu bringen. Die weitaus meisten westlichen Politiker betrachten nicht etwa das iranische Atomprogramm oder Terrororganisationen wie die Hamas und die Hisbollah, sondern die israelischen Siedlungen in den umstrittenen Gebieten als „Haupthindernis für den Frieden im Nahen Osten“ und sind hellauf empört, wenn ihnen die Frage gestellt wird, warum Juden in einem prospektiven palästinensischen Staat eigentlich nicht leben dürfen sollen. Das Feuilleton springt nahezu unisono einem deutschen Publizisten bei, der Israel in seinen Kolumnen regelmäßig mit markigen Worten attackiert und delegitimiert, wenn genau dies von einer amerikanischen Menschenrechtsorganisation zum Anlass genommen wird, die Ausfälle dieses Publizisten in eine Liste der übelsten antisemitischen und antiisraelischen Äußerungen aufzunehmen.

Wie kommt es, dass Israel immer wieder dämonisiert und ihm de facto das Recht abgesprochen wird, sich gegen seine Feinde zur Wehr zu setzen? Warum wird diesen Feinden so viel Verständnis gezollt oder gar Sympathie entgegen gebracht? Weshalb ist die so genannte Israelkritik vor allem hierzulande so ungeheuer populär, und was treibt sie an – in der Politik, in den Medien, in der Bevölkerung?

Alex Feuerherdt (43) ist freier Autor und lebt in Köln. Er schreibt regelmäßig für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften zu den Themen Antisemitismus und Nahost, unter anderem für die Jüdische Allgemeine, Konkret, den Tagesspiegel und die Jungle World.