Bodo Kahmann (Göttingen): Der antisemitische Haß auf New York. Über das Verhältnis von Antiurbanismus, Antisemitismus und Antiamerikanismus.

So., 24. März 2013, 17:00

Als die Jihadisten um Mohammed Atta am 11. September 2001 die beiden Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers steuerten und diese zu Fall brachten, bejubelte nicht nur die Neonazi-Szene in Deutschland diesen Terroranschlag. In den Kommentaren wurde nicht zuletzt auf den symbolischen Charakter des Anschlagsziels hingewiesen: Mit der Zerstörung der Twin Towers in New York sei ein zentrales Symbol der „amerikanisch-jüdischen Globalisierung“ im Herzen der „jüdischen Machtzentrale“ attackiert worden. Der Hass auf New York kommt nicht von ungefähr. Im Hass auf die Weltstadt werden Ressentiments angesprochen, die von grundlegender Bedeutung für den Antisemitismus sind: So gilt New York als Versinnbildlichung einer kosmopolitischen und komplexen Sozialordnung, als ultimativer Ort des Intellekts, der Dekadenz und Ausschweifung, sowie der Sphäre der Zirkulation, also der als abstrakt wahrgenommenen Seite des Kapitals. Diese Punkte lassen sich den wesentlichen Eigenschaften einer urbanen Metropole zuordnen. New York gilt den Antisemiten dabei als Inbegriff und vollendeter Ausdruck einer verhassten und als jüdisch imaginierten westlichen Urbanität. Der Vortrag versucht eine Theorie des Antiurbanismus zu entwerfen, in der die Anschlussfähigkeit an Antisemitismus und Antiamerikanismus im Mittelpunkt stehen.

Bodo Kahmann hat Politikwissenschaft studiert und veröffentlicht u.a. in der Zeitschrift Tribüne.

(Eintritt frei)

Die Veranstaltung wird in Kooperation mit der Gruppe Emanzipation und Frieden ausgerichtet.