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65 Jahre Israel

Tilman Tarach (Freiburg) : Israel und seine Feinde – Zum 65. Jahrestag der Staatsgründung.

Di., 14. Mai 2013, 19:30

Über keinen Staat gibt es so viele Gerüchte wie über Israel. Welchen Stellenwert hat die Gründung Israels heute noch? Handelt es sich beim Kampf gegen den jüdischen Staat, den Araber schon Jahrzehnte vor der Staatsgründung führten, wirklich um einen Kampf gegen Unrecht und Besatzung, oder geht es vielmehr gegen jede souveräne jüdische Präsenz in der Region?

Tilman Tarach erläutert die Geschichte und Bedeutung der israelischen Staatsgründung. Er zeigt dabei auf, wie und warum aus dem alten antisemitischen »Gerücht über die Juden« das antizionistische »Gerücht über Israel« geworden ist. Tarach lebt in Berlin und Freiburg und ist Jurist sowie Autor des Buches Der ewige Sündenbock. Heiliger Krieg, die „Protokolle der Weisen von Zion“ und die Verlogenheit der sogenannten Linken im Nahostkonflikt (Vorwort Henryk M. Broder, Edition Telok 2011). Artikel von ihm erschienen in Konkret, Jüdische Allgemeine und Jerusalem Post.

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Joachim Bruhn (Freiburg): Antizionismus und Volksstaat. Der Fetisch der Souveränität und der Haß auf den „Unstaat“ Israel.

Di., 7. Mai 2013, 19:00

Woher kommt das notorisch gute Gewissen der „Linken“ in ihrer Agitation gegen Israel? Wie funktioniert der Antisemitismus der sog. „legitimen Israel­Kritik“? Warum zeugt die feinsinnige Unterscheidung von Antisemitismus und Antizionismus vom Weißwaschen des deutschen Staatsfetischismus?

Der Wahn vom Volkssouverän ist, wie immer im einzelnen ausbuchstabiert und ausagiert, die synthetische Ideologie der restlos kapitalisierten Gesellschaft, d.h. das zwar vollendet idiotische, aber desto lieber geglaubte und aggressiv bezeugte Ideologem, das die Linkspartei, Günter Grass und die NPD verbindet. Im Wettstreit um die je subjektive Interpretation und sodann politische Okkupa­ tion dieses Begriffs vollzieht sich die objektive Reproduktion der deutschen Souveränität so, wie sie in der fraktionsübergreifenden, natürlich völkerrechtlich fundierten Verurteilung Israels durch den Bundestag im Mai 2010 sich aussprach, und dies ist zugleich der Grund dafür, daß, wenn vom „Schurkenstaat“ Israel die Rede ist, gar nicht mehr unterschieden werden kann, wer spricht, und daß es einerlei ist, ob die Agitation gegen das jüdische „Staatsgebilde“ und gegen diesen „Staat aus der Retorte“ von sozialdemokratisierten Stalinisten oder gleich von zwangsparlamentarisierten Nazis ausgeht. Denn daß, wie das Grundgesetz der BRD sagt, alle Macht vom Volk ausgeht, dieser manische Staatsfetischismus ist es, der, wie das Idiotem vom Geld, das endlich wieder dem Volk und der sog. Realwirtschaft zu dienen habe, die antagonistische Gesellschaft fraktionsübergreifend zusammenschweißt, der es macht, daß Herr und Knecht, daß Lohnarbeit und Kapital in der Aversion gegen die Juden zur Volksfront im Volksstaat zusammenfinden.

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Peter Bierl (München): Geld und Zins – „Das Schlechte“ in der Welt? Regionalgeld, Tauschringe, Schwundgeld und Sozialdarwinismus.

Do., 2. Mai 2013, 19:30

Frühsozialisten wie Charles Fourier (1772-1837) und der Anarchist Pierre Joseph Proudhon (1809-1865) kritisierten Geld und Zinsen, Wucher und Spekulation. In Fouriers Produktions- und Wohngenossenschaften sollten Erträge nach Anteilsscheinen verteilt werden, Proudhons Konzept einer bargeldlosen Tauschbank mit zinslosen Krediten scheiterte.

Dagegen analysierte Karl Marx (1818-83) den Kapitalismus als dynamische Produktionsweise, in der Profitmaximierung und Akkumulation von Kapital Selbstzweck sind. Er entzog damit Frühsozialisten wie Sozialromantikern theoretisch die Grundlage. Dennoch finden solche Ideen gerade in Krisenzeiten Anklang. Die Perspektive einer lokal oder regional beschränkten Ökonomie ohne spekulative Finanzgeschäfte mit fairen Preisen und Löhnen, einer Gemeinwohl-Ökonomie, eine Art gebremster Kleinkapitalismus, ist in Teilen der Linken, unter Globalisierungskritikern, bei Occupy und in der Umweltbewegung verbreitet.

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Marcus Hammerschmitt (Tübingen): Öko ist Deko.

Do., 25. April 2013, 19:30

Der Kapitalismus ist ein Gewaltverhältnis – oder ein Bündel aus Gewaltverhältnissen –, das seiner selbst nicht bewusst werden darf. Wie ein Schlafwandler gerät er in Gefahr zu stolpern, wenn er aufwacht. Daher seine Liebe zur Ideologie, dem notwendig falschen Bewusstsein als dem Traum des beweglichen, des handelnden Schläfers. Die Religion als Seufzer der bedrängten Kreatur ist dort wie eh und je aktuell, wo die Bedrängnis unmittelbar existenzielle Ausmaße erreicht. Nirgendwo wird inbrünstiger geglaubt als dort, wo eine Hoffnung auf reale Besserung nicht in Sicht ist. In den gemäßigten Breitengraden des Kapitalismus geht die Bedrängnis für die Schlafwandler auch von deren eigenem Gewissen aus: Ahnungen zur prinzipiellen Gewaltförmigkeit des Kapitalismus treffen auf die Hoffnung, durch richtige Dressur sei er, und also man selbst, zu zähmen. Das Christentum, jene jahrtausendealte Einübung in falsche Hoffnungen, überwacht so noch seine eigene Ablösung als Wächter an der Grenze zum Erwachen, und die aktuell wichtigste falsche Hoffnung formuliert der Ökologismus. Wie die Religion darf er durch und durch falsch und verlogen sein, wenn nur die Hoffnung bleibt; das erspart die Abschaffung des zugrundeliegenden Gewaltverhältnisses, und dieser Spareffekt, der die Nichtabschaffung des Gewaltverhältnisses zur Natur einschließt, ist der Hauptzweck der Übung.

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