Es begab sich aber zu einer Zeit, als die Elfenbeintürme ihre Pforten schlossen und sich in die Sphären der neoscholastischen Diskussion verabschiedeten, ja geradezu planten den Elfenbeinturm zu einem Raumschiff umzubauen, um mit diesem in den unendlichen Weiten möglicher Welten vorzustoßen und nichts anderes zu suchen, als die größtmögliche Distanz zu einer Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse. Zu dieser Zeit ereignete sich aber, dass die ehemalige Stadtbücherei zur Zwischennutzung freigegeben wurde und sich plötzlich ein möglicher Riss im „stahlharten Gehäuse“ der Gesellschaft auftat. Mehrere alte Maulwürfe hatten wohl gut gewühlt, denn urplötzlich waren sie da, erkannten den möglichen Riss, transformierten ihn zu einem wirklichen und nun öffnet das Wilhelmspalais unter dem Namen der Veranstaltungsreihe „Wilhelm, das war nix!“ eine Pforte zur Welt der Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse und zu einer Welt des Abenteuers der Dialektik.

Ihr fragt Euch nun sicher, was hat das alles mit Wilhelm zu tun? Nun gemeint ist damit Wilhelm II., nicht der Weltkriegsentfessler und durchgeknallte Hunnenreden haltende, sondern der nicht weniger von adligem Geblüt stammende, so genannte „Bürgerkönig“ von Württemberg. Dieser hatte das bereits vor seiner Regierungszeit erbaute Wilhemlspalais (benannt nach seinem Großonkel Wilhelm I. von Württemberg) in Stuttgart zu seiner Residenz erkoren. Doch auch seine legendenumwobene „Beliebtheit“ im Volke hinderte die Revolutionär_innen am 09. November 1918 nicht daran, den Herrschersitz zu stürmen und den „beliebten“ Herrscher des Hauses zu verweisen. Bereits zuvor hatten die Revolutionär_innen klargemacht, dass auch seine „Beliebtheit“ den König nicht schützen würde: „S‘isch aber wegen dem Sisschtem!“ soll der Spartakist Seebacher die geforderte Abdankung des Königs begründet haben.

In diesem Sinne war’s dann wohl nix als volksnaher konstitutioneller Monarch. Und überhaupt sollte man das Volk in die Tonne treten.